Der ein oder andere hat ja schon im Laufe des letzten Jahres davon gehört, einige vielleicht noch gar nicht. Aber in Japan tut sich was in Sachen Anime, Manga und Hentai im politischen und gesetzlichen Sinne. Ich möchte hier einmal die letzten Ereignisse zusammentragen und über die gesamte Situation informieren.

Kurz zur Information: Wie es schon aus unserem vergangenen Bericht herauszulesen ist, sind die Gesetze in Japan was Jugendschutz in Verbindung mit japanischen Medien, speziell Hentais angeht, sehr schwammig und sehr undefiniert. Einen wirklichen Jugendschutz, so wie wir ihn kennen gibt es dort (noch nicht). Doch langsam schreitet man in diese Richtung.

Alles fing grob Anfang letzten Jahres an. Einige Organisationen, die sich z.B. auf Jugendschutz sowie Feminismus spezialisiert haben sowie die DPJ (Demokratische Partei Japans) mit Shintarō Ishihara (Gouverneur Tokyos) an der Spitze, haben einen Gesetzesplan ausgearbeitet, der vorsieht, die Verbreitung von gewaltätigen und erotischen Medieninhalten an Minderjährige zu unterbinden. Es wird unter anderem befürchtet, dass diese Medien dem “gesunden Aufwachsen der Jugend” schadet.
Unter anderem steht in diesem Plan:

Any literature or film which might be thought to constitute a depiction of sexual activity involving or apparently involving a person under 18, someone dressed in a manner reminiscent of an under-18, or who speaks like an under-18, may not in Tokyo be viewed by or sold or distributed to any young person.

Section 3: Restriction of the Sale of Unhealthy Literature

[A ban on sales, lending or distribution to, or viewing by, minors in the Tokyo area would cover:]

1. Items which stimulate sexual emotions, foster cruelty, encourage suicide or promote crime, or otherwise impede the healthy growth of youth. [This clause is identical to current legislation]

2. Items which through age, clothing, accessories, school year, setting, other people’s ages, or voice, seems reminiscent of a person who might be recognised as an under-18 (hereafter called a “a fictional minor”) engaged in, or appearing to be engaged in, sexual activity or activity resembling sexual activity, or which impede the development of healthy sexual faculties in youths, or which might be feared to obstruct the healthy development of youths.

Das Problem daran ist, dass das Ganze sehr subjektiv und vage formuliert ist. Befürchtet wurde, dass dann alles, was in diese vage Beschreibung fällt in Tokyo und Umgebung das “18-Jahre Siegel” bekommt; und das wäre nicht gerade wenig.
Von diesem Plan wären somit auch das Internet und das Fernsehen betroffen. Viele Sendungen müssten abgesetzt oder verschoben und viele Internetseiten gesperrt bzw. nur kontrolliert zugänglich gemacht werden (Filter, etc.).

Tokyo fällt hier als Stadt gerade deshalb auf, weil dort die meisten Anime und Mangas produziert und vertrieben werden. Würde hier ein Gesetz in Kraft treten, würde das sich nicht nur auf Tokyo, sondern auch auf ganz Japan auswirken.

Widerstände von Firmverbänden und Menschengruppen wurden dabei weitestgehend ignoriert. Dabei streiten sich die Pro- und Kontrafraktionen.
Wo die Gegner des Gesetzes diese Pläne überhaupt nicht nachvollziehen kann und die Konsequenzen fürchtet, können das die Befürworter widerrum nicht verstehen und bezeichnet die Anhänger von Anime und Manga als “mental krank” und stellen sich dabei extrem offensiv gegen die Gegner.

Gegen Mitte des Jahres wurde dieser Gesetzesplan von den Demokraten abgelehnt mit der Begründung, dass dadurch die Presse- sowie die Kunstfreiheit unakzeptabel eingeschränkt würde.
Danach kündigten die Mächte hinter dem Bann an, wieder zu klagen, wenn sich eine Möglichkeit bieten würde.

Gegen Ende des Jahres war es auch denn endlich wieder soweit.
Ishihara und seine Verbündeten legten einen neuen Gesetzesvorschlag auf den Tisch, der dieses Mal den Zugang zu Medien, “die Sex und Gewalt auf illegale Art verherrlichen oder unterstreichen” (Rape, Bondage, Voyeurismus, Exibitionismus etc.) unzugänglich machen sollte.
Darunter fallen natürlich auch sexuelle Aktivitäten mit oder unter minderjährigen fiktiven Charakteren oder Personen.
Dabei ist das Angriffsgebiet durch die Definition “illegal” noch größer als zuvor, schließt aber nur Anime, Manga und Spiele ein. Bücher oder Filme sind ausgeschlossen.
Bleibt nur zu erwähnen, dass Ishihara, selbst ein begnadeter Autor, in seinen Dramen von Schulmädchenvergewaltigungen, Morden und Gruppenvergewaltigungen schreibt.

Das Gesetz würde also Geschichten wie das “Genji-monogatari” (u.a.: eine Frau wird entführt und als Sexsklave gehalten und vergewaltigt), ein großes Werk der japanischen Literaturgeschichte unberührt lassen, wobei selbiges Thema in gezeichneter oder animierter Form nicht zu tolerieren wäre.

Daraus würde resultieren: Tokyo könnte alles, was ansatzweise mit Gewalt oder Erotik zu tun hat verbannen oder zensieren, das wären dann jegliche Anime und Mangas mit Action-oder Ecchiinhalten.

Unter den Fans fühlt man sich ungerecht behandelt, da zu offensiv und gezielt nur Anime und Manga angegriffen werden.

Ishihara sieht sich hingegen selbst als der heldenhafte “Mann der Pflicht” und sagt z.B.:

Man sieht sogar heutzutage Homosexuelle im TV, als wäre das völlig normal.
Japan ist zu unkontrolliert. Ich komme mit einem ausgeprägten Pflichtbewusstsein.

Dabei verhärten sich die beiden Seiten immer mehr.
Über Twitter kämpfen die beiden Seiten um Gleichgesinnte und teilen hart aus.

Hier z.B. ein Tweet des Vizegouverneurs Naoki Inose:

I get the impression that many manga lovers lead dead-end lives. Go talk to a living woman!

You don’t know what they’ll say from moment to moment, so they are far more interesting and lovely.

Klar wird, dass die Anhänger des Gesetzes um Erklärungen ringen und mit allen Mitteln versuchen wollen, Anime und Manga zu verbannen. Es scheint, als wären die Anhänger allesamt “senil” (aufgrund des hohen Alters der Politiker) oder “verdammt wütend” auf die Anime- und Mangaszene und wollen ihrem Hass Ausdruck verleihen.

Was interessanter Weise gegen die Thesen Ishiharas spricht ist der Fakt, dass es in Japan sehr wenig sexuelle Übergriffe auf Kinder bzw. Minderjährige gibt und das Japan eine der niedrigsten Kriminalitätsraten der Welt hat. Damit wäre seine These: “Die Medien dieser Zeit schaden der Entwicklung der Kinder” einhalt geboten.

Viele fragen sich, ob es nicht einfach der falsche Weg ist, den Jugendschutz in Japan fest zu etablieren.
80% der befragten Japaner sind gegen den erfolgenden Bann in Japan, der durch den Erfolg der DJP samt Anhänger voraussichtlich im Juli 2011 in Kraft treten wird.
Im Dezember feierten sie die Verabschiedung des Gesetzes, das “virtuelle Verbrechen” sowie “Medien, dessen Inhalt die gesunde Entwicklung Jugendlicher stört” regulieren und kontrollieren soll.
Damit werden Mangas auf ihren Inhalt geprüft und dann als “healthy” gekennzeichnet; damit dürfen sie in regulären Geschäften verkauft werden. Alles andere wird in die “Erwachsenen-Ecke verbannt”.
Eventuell sind auch Animes betroffen, die zur späten Zeit im Fernsehen laufen. Würde das Gesetz schon in Kraft getreten sein, würden Titel aus der vergangenen Season wie z.B. Ore no Imouto, Panty & Stocking, Yosuga oder Sora no Otoshimono erst gar nicht gezeigt werden.
Ob nun in Zukunft ältere Titel aus dem Regal und neue Titel in ihrer Entwicklung in Augenschein genommen und kontrolliert werden ist nicht definitiv sicher, aber die Chancen dafür stehen sehr hoch.

Momentan richten sich verschiedene Studios, Zeichner und Entwickler auf eine der beiden Seiten aus. So ist z.B. das Studio Gonzo auf Seiten Ishiharas, andere wiederrum auf der Gegenseite.
Eine Handvoll der Studios will die “Tokyo International Anime Fair 2011″ boykottieren, indem sie an der Messe nicht teilnehmen und wollen damit ihre Abneigung gegen diesen politischen Schritt zum Ausdruck bringen.

Ob das nun ein richtiger Schritt in Richtung Jugendschutz ist oder nicht muss jeder für sich selbst entscheiden. Immerhin ist es ein Schritt, den Jugendschutz in dem japanischen Gesetz zu manifestieren. Auch weiß man nicht, was die Zukunft bringen wird, es bleibt also abzuwarten, wie sich dieser Konflikt weiterhin entwickelt.