Die Idee, etwas virtuelles oder mit einer Kamera aufgenommenes so realistisch zu wiedergeben faszinierte den Menschen schon immer. Wovon ich rede ist 3D. Heute werden in jedem Elektrofachgeschäft 3D Fernseher verkauft und ein paar Nintendo Fanboys können vor lauter Staunen nicht mehr aufhören, in ihrem 3DS reinzugucken. Bis einer den Regler auf 2D umstellt. Heute ist es vergleichsweise einfach, zuhause Inhalte in 3D zu konsumieren. Doch wie war es früher? 3D war fast nirgends anzutreffen. Fast auf jeden Fall…

1995 releaste Nintendo eine “portable” Konsole, welche 3 Jahren in Entwicklung war und genau das ändert wollte. 3D zuhause, für jedermann (zumindest der, der gerade reinguckte). Da ich nun (endlich) auch einen dieser Taucherbrillen besitze, bin ich nun in der Lage, ebenfalls ein Bild davon zu machen. Man liest oft, er sei schlecht, andere behaupten, das war die Revolution. Doch bevor Ihr weiterlest, könnt ich euch schon mal mit diesem Promo-Video, welcher in den Läden gezeigt wurde, einstimmen.

Die Entwicklung

Angefangen hat alles im Kopf von Gunpei Yokoi, welcher schon den GameBoy erfunden hat. Schon mal kein schlechter Ansatz. Seine Vision war, eine Konsole zu erschaffen, die echtes 3D anzeigen konnte, aber dennoch wieder keine Konsole, sondern ein Gadget sein soll. Die Ingenieure von Nintendo haben hierbei ganze Arbeit geleistet. Ein 1×224 Pixel grosses Display für jedes Auge. OK, kein Display, sondern 224 rote LEDs, welche in einer Reihe sind. Wieso nur rot? Weil grüne und blaue LEDs zu diesem Zeitpunkt zu teuer und zu ineffizient waren. Die roten LEDs boten am meisten Helligkeit und Kontrast und erforderten wenig Energie. Und wieso dann nur eine Reihe? Weil über 86’000 LEDs doch ein wenig viel wären… Also baute man auf jeder Seite einen Spiegel ein, der die LED Reihe zu einem ganzen Bild erstrahlen lässt. Unterm Strich ergibt das ein monochromes 384×224 Pixel grosses Display mit 4 Helligkeitsstufen pro Auge.

Die Technik

Prozessor

  • NEC V810 mit 20 Mhz und 1 KB Cache

RAM

  • 1 Mbit D-RAM

Video-RAM

  • 512 KBit P-SRAM

Display

  • RTI (Reflection Technology Inc.) SLA dual mirror-scan, high resolution LED displays
  • Auflösung: 384 x 224 Pixel
  • 50 Hz

Sound

  • 16-bit Stereo Sound

Stromversorgung

  • 6x AA-Batterien (7 Stunden Laufzeit)
  • oder AC Adapter (forever Laufzeit)

Das System

Mit seinem Massen von 21,7 × 25,4 × 11 cm und einem Gewicht von über 750 Gramm ist der Virtual Boy auf jeden Fall keine portable Konsole. Die Konsole selbst bot 3 Anschlüsse: Kopfhörer (3.5 mm Klinken Anschluss), Controller Port und Game Link Port. Wobei für den letzten Anschluss nie ein entsprechendes Kabel veröffentliche wurde, geschweige ein Spiel dafür. Der Grund war schlicht und einfach: Der Virtual Boy failte schneller, als es Nintendo sich gewünscht hätte. Inzwischen lässt sich mit Homebrew und einem selbst gebasteltem Kabel der Anschluss nutzen. Nur muss man noch jemanden finden, der ebenfalls einen Virtual Boy besitzt.

Das könnte schwierig werden. Das Design war und ist… schrecklich. Zwar für mein Auge ziemlich knuddelig, aber für Aussenstehende einfach nur klobig. Das sogenannte “Eye Shade”, welche an einer Seite am Virtual Boy befestigt ist, soll die Augen vor Licht schützen. Alternativ kann auch der Raum abgedunkelt werden, jedoch wird es mit der Zeit unbequem.

Viele Virtual Boys bekommt man auf eBay bereits ab 30 US Dollar, jedoch ohne Zubehör und Funktionsgarantie. Innerhalb des Eye Shades finden sich 2 rote Plastiklinsen, die nichts weiter als Gucklöcher für die Displays sind. Diese sollten so kratzerfrei wie möglich sein, ansonsten kann dadurch der 3D Effekt zerstört werden.

Oberhalb des Systems finden sich zwei Regler. Einer ist für den Fokus zuständig, also, wie weit auseinander die beiden Bilder stehen sollen (links, rechts). Der andere ist stellt die Entfernung der Bilder (nach hinten, nach vorne). Da beide Regler mechanisch sind, sollte man sie mit bedacht einstellen. Ebenfalls oberhalb befinden sich zwei Plastikhalterungen für die Abdeckung der Cardridges. Der Controller war für die damalige Zeit eine echte Revolution und erinnert heute an einen GameCube Controller. Auf beiden Seiten befindet sich ein D-Pad (Steuerkreuz). Dazu kommen A, B, Start und Select Taste. Auf der Rückseite befinden sich 2 “Schulterknöpfe”, die erstaunlich gut zu bedienen sind. Die Stromversorgung läuft über den Controller. In der Mitte hinten wird entweder ein Battery Pack oder ein AC Adapter Tab befestigt. Der AC Adapter Tab ist nur ein Adapter für einen AC Adapter! Mein japanischer Virtual Boy kann mit einem Famicom (japanische NES) Netzteil betrieben werden.


Kurzreview

Nachdem ich euch das System in Kurzform beschrieben habe, möchte ich auch mal meine Meinung dazu sagen. Der Virtual Boy bleibt für mich… kein Flop. Für die damalige Zeit bot niemand etwas vergleichbares. Für mich ist das System perfekt, was allerdings ihn zum Flop machte war das Marketing. Der Virtual Boy wurde zum Gadget entwickelt, aber als Nachfolger des GameBoys veröffentlicht und musste gegen die PlayStation antreten, den der Release der N64 zögert ich weiterhin hinaus. Die Hersteller wussten auch nicht recht, wie ein Game in 3D aussehen soll. Es gab kaum Spiele von Drittherstellern. Angeblich soll der Virtual Boy Kopfschmerzen verursachen. Dies kann ich nicht bestätigen. Das einzige, was ich bekomme, sind Rückenschmerzen wegen der unbequemen Sitzposition. Und da wären wir beim nächsten Minuspunkt. Und wie sich das ganze aufstellen lässt, hab ich hier für euch in einem Video zusammengefasst. (Im Video erwähne ich, das ich noch Gameplay Videos aufnehmen werde, weiter unten findet ihr bereits eines ;-) Achtung: Gegen den Schluss war der Virtual Boy einfach zu laut… )

Mein Virtual Boy wurde mit 4 Spielen geliefert, eines davon mit OVP. Diese wären:

  • Red Alarm
  • Golf (mit OVP)
  • Bomberman Panic Bomber
  • Mario’s Tennis

Zum ersten hab ich euch noch ein eigenes Gameplay Video aufgenommen. Ihr wollt gar nicht wissen, wie schwierig es ist, das Bild von einem Virtual Boy abzufilmen… Eines kann ich aber sagen: Alle Spiele machen Spass. Selbst Golf. Da ich irgendwann mal ausführliche Reviews zu den Spielen schreiben möchte, fasse ich kurz zusammen, wie meine bis jetzigen Spiele sind.

Mario’s Tennis

Der Name ist Programm. Ihr könnt 8 verschiedene Charakteren aus demMario Universum steuern und mit ihnen Tennis spielen. Die Grafik ist ganz nett und der 3D Effekt kommt gut rüber. Die Musik duddelt im Hintergrund vor sich hin. Jedoch möchte ich Virtual Reality und nicht einen Charakter steuern. Für mich das langweiligste Spiel bis jetzt.

Bomberman Panic Bomber

Das kommt davon, wenn man solche Konsolen aus Japan importierenlässt. Auch wenn ich keine Ahnung habe, was ich im Menü auswähle und was der riesengrosse Tintenfisch von mir will. Starten einmal das eigentliche Spiel, ist man im ersten Moment enttäuscht. Ein Puzzle Spiel? Normalerweise mag ich keine Puzzle Spiele wie dieses hier. Es fallen verschiedene Figuren von oben herunter und ihr müsst sie 3 mal in einer Reihe anordnen. Klingt simpel, mit ein paar Bomben gewürzt macht es noch richtig Spass. Das MIDI Geduddel klingt gut, passt aber meist nicht zum Level. Der 3D Effekt zeigt sich nur für den scrollenden Hintergrund und ein paar Animationen.

Golf

Hmm, was kann man dazu schreiben? Es ist Golf. Nichts anderes, nichtsaussergewöhnliches, einfach nur Golf. Ich bewundere die Leute, die ein 18 Loch Spiel starten und in einem Stück spielen. Die Musik ist nichts besonderes, die Grafik wiederum prächtig… rot und der 3D Effekt ist äusserst stark, welcher sich aber in einem Optionsmenü einstellen lässt. Allerdings scheint die Batterie des Moduls leer zu sein.

Red Alarm

Die Anfangsszene zeigt, wie ein Raumschiff von Hangar auf den Startplatz gefahren wird. Zuerst erinnert es an Starwing/Starfox, wäre nicht die Grafik. Man sieht keine Polygonen, nene, sondern Wireframe. Was für manche ein Albtraum ist, ist für mich kein Problem. Ich finde immer meinen Weg durchs Level. Den ihr fliegt wie bei Starwing euer Schwebeschiff durch ein lineares Level und schiesst alles ab, was sich bewegt. Nach jedem Level kommt ihr zu einen Bosskampf und einem Raum, indem man sich frei bewegen kann. Aufgrund der geringen Sichtweite, verzwickt man sich immer wieder in die Situation,das man den Gegner nicht findet. Trotz der Grafik mein absolutes Lieblingsspiel bis jetzt.

Und genau für das Spiel hab ich meine Kamera aufgestellt, 20 Minuten lang eine geeignete Position gesucht und das erste Level gefilmt. Der Sound hab ich über den Kopfhöreranschluss angezapft. Auf dem Video sieht man leider nicht den gesamten Bildschirm, da dies schier unmöglich ist.

Na, auch Lust auf einen Virtual Boy bekommen? Die Preise schwanken stark, mal äusserst günstig (80-100 $) bis teuer (200 $). Ich hab mein Virtual Boy mit 4 Spielen, AC Adapter Tab, OVP und allen Papieren zusammen mit einer Famicom mit Famicom Disk System und ein paar Diketten importiert. Der Zoll war ruhig, die Rechnung hoch.

Vielen Dank an chiaki von Otakukingdom-Subs, welcher es für mich direkt aus Japan auf Yahoo Auctions ersteigert und importiert hat. Falls ihr mal in der Schweiz seit, bei mir vorbei gucken. Das Ding steht immer bereit. :-D

Hoffentlich konnte ich mit diesem Artikel euch den Virtual Boy ein wenig näher bringen, da viele anscheinend ihn nicht kennen oder sich nicht damit auseinander setzen wollten. Ich wollte in Kurzform euch eines der grössten Flops Nintendos zeigen. Mal sehen, wie es dem Nintendo 3DS in Zukunft ergehen wird. In diesem Sinne einen guten Wochenstart und man sieht sich wieder, entweder im Real Life oder Virtual Life.