Salut Mesdames et Messieurs!

Wie bereits vorangekündigt, berichte ich euch ausführlich über meine Reise nach Paris an die Japan Expo 2012. Ich habe so einiges zu erzählen und versuche erst gar nicht mich kurz zu halten!

Gerne gebe ich nochmals die Daten der Japan Expo an:

Japan Expo 2012
Paris, Parc des Expositions
5th – 8th of July
140’000 visitors

4. Juli: Die Anreise, ein herzliches Wiedersehen und viel Business


Ich startete am Mittwoch um 11:34 Uhr mit dem direkten TGV Duplex von Zürich nach Paris-Gare de Lyon. Ankunft: 15:23 Uhr ohne Verspätung. Bin während der ganzen Fahrt nur im Bistro gesessen und quatschte mit einem Arbeitskollegen von TGV Lyria. War eine gute Gelegenheit meine Französisch-Kenntnisse aufzufrischen. Ausserdem kannte er sich in Paris gut aus und erklärte mir noch zugleich wie ich zu meinem Hotel kommen kann. Er war mal wieder ‘ne grosse Hilfe!

Nach Ankunft in Paris-Gare de Lyon suchte ich gleich den ersten Information point um Karten und Pläne von Paris einzustecken. Diese sind immer besonders wichtig! Nach 1 Stunde warten, hatte ich schlussendlich mein Ticket für die Metro und den Fahrplan zum Hotel. Bin bisher nur in Tokyo Metro gefahren, war deshalb ein wenig aufgeregt, was mich in Paris erwarten sollte. Eigentlich nur halb so wild! Stinkt nur an jeder 3. Ecke nach Pisse … nichtsdestotrotz kam ich unversehrt am Hotel an und musste erst einmal heftig schlucken …

Le Méridien Etoile
“Das Le Meridien Etoile Paris Hotel ist ein frisch renoviertes 4-Sterne Designerhotel für Geschäftsleute und Kunstliebhaber.”

Ich hatte mich bereits vorinformiert, was das Hotel so zu bieten hat, aber es plötzlich vor Ort gesehen zu haben, war nochmal eine ganz andere Klasse als im Internet. Suchte zuerst einmal die Reception um einzuchecken und mein Gepäck endlich ablegen zu können. Anstehen musste ich nicht einmal, da es um diese Uhrzeit wohl recht still war.

S: “Good afternoon, sir. How can I help you?”
R: “Hi. Would like to check-in already but I’m defenitely not on the booking list. My Japanese friend has booked the room and is now still at the airport.”
S: “Well, in that case … please take a seat there and wait until your friend is arriving at our hotel.”
R: “Can I use your WiFi in the lobby area?”
S: “It’s an exception, sir!”

Die Frage nach dem Internet ist einfach Standard, damit ich lange Wartezeiten erträglicher machen kann. Musste nämlich beinahe 2 Stunden auf Rodorin warten, bis er im Hotel eintraf. Vom Flughafen bis in die Innenstadt Paris ist es noch eine Strecke und bei dichtem Verkehr wird’s erst recht ungemütlich. Diese Erfahrung musste ich mehrmals in wenigen Tagen machen!

“久しぶり!” (Hisashiburi!) rief plötzlich eine bekannte Stimme aus der Ferne. Rodorin war endlich angekommen und umarmte mich auf nicht japanische Weise!

Es waren zwar nur 40 Tage seit dem letzten Mal, doch Rodorin und mir kam es länger vor. Aber da waren noch 4 weitere Japaner hinter ihm, die ich bis anhin nicht gekannt habe. Sie waren ziemlich schick gekleidet und machten auf mich einen sehr seriösen und ernsten Eindruck. Also stellte ich mich verbeugend vor und bedankte mich herzlichst für Ihre Einladung nach Paris. Der eine fing dann an zu lachen und sagte zu mir: “Oh. Please … no! Don’t be so polite during our stay in Paris. Enjoy and be yourself! Daijoubu!”

Als Geschenk gab es für jeden Japaner noch 2 Packungen Ricola und wenn ich zurückdenke, war das wohl aufrichtig und lieb gemeint, aber von Ihrer Seite kam weitaus mehr!

Wir gingen alle zuerst in unsere Zimmer, leerten unsere Koffer und bereiteten uns auf den kommenden Abend vor. Rodorin hatte mir nicht erzählt, was wir machen werden, weil es wohl ein Geheimnis war. Um 18:00 Uhr trafen wir uns alle am Eingang zum Hotel und da hiess es gleich, wir würden ins Hotel de Crillon gehen. Noch nie davon gehört! Da ich als einziger wirklich Französisch konnte, musste ich die Taxis rufen. Die Fahrer wussten sofort Bescheid, wo das Hotel liegt … und auch bereits nach 12 Minuten kamen wir dort an.

Hotel de Crillon
Gourmet restaurant Paris
5 Sterne Luxus Hotel

Ich fühlte mich ein wenig schlecht, da Rodorin und ich nicht wirklich sonderlich gekleidet waren. Ihm schien es wohl nichts auszumachen, aber ich dachte immer darüber nach, was die anderen Japaner wohl über mich denken würden. Das halte ich jetzt auch für völlig nachvollziehbar, in solch einer überraschenden Situation!

Kurzfassung: Es war ein Business dinner mit 5-Gang Menü und ich durfte mich nicht zurückhalten. Während dem Essen konnte ich noch von mir erzählen und daraufhin hagelte es Business cards … als ich diese genauer betrachtete, war mir sofort klar, mit welchen Leuten ich gerade zu tun hatte. Das waren CEO’s, presidents und vice presidents von japanischen Grossfirmen … aus der Otaku/ Eroge industry!

Weitere Informationen darf ich nicht bekanntgeben.

Ab diesem Zeitpunkt war ich richtig glücklich, diese Gelegenheit bekommen zu haben und bedankte mich nochmals. Die Gespräche waren grösstenteils auf japanisch, wichtige Punkte wurden mir aber noch mit Englisch erläutert.

Das Business dinner ging bis 23:30 Uhr, bis Rodorin und ich einräumen mussten, dass wir langsam schlafen gehen sollten. Wir verabschiedeten uns vom Restaurant-Personal und gingen mit Taxis ins Hotel zurück. Während der Fahrt konnte ich mich noch mit einem der Japaner unterhalten. Ich müsse mich in Japan unbedingt mit ihm in Verbindung setzen und meine Kontaktdetails noch hinterlassen.

Ein sehr überraschender und erfolgreicher Abend. Ach und Rodorin gab mir im Hotel dann noch ein kleines Geschenk aus Japan … meine so gewünschte CD von “ave;new feat. Saori Sakura – My Sweet Lady!”

Ich konne nicht wirklich gut schlafen, weil ich wahrscheinlich zu aufgeregt war oder einfach nicht mit dieser Situation gerechnet hatte. Obwohl das Bett wirklich sehr bequem und warm war … Rodorin arbeitete bis spät in die Nacht an einem Projekt von Yuzusoft. Ist jetzt noch geheim! Bin dann irgendwann eingeschlafen und konnte den 1. Tag der Japan Expo kaum erwarten …

5. Juli: Der Taschendieb, ein Anonymer und viel VIP

Das Frühstücksbuffet war eröffnet! Rodorin war im Hotel mein persönlicher Wecker … obwohl er ursprünglich mal mein persönlicher Medic in Battlefield 3 gewesen war. Er konnte es kaum erwarten, voll in den Tag zu starten und direkt das umfangreiche Buffet zu stürmen. Ich hatte ein bisschen meine Startschwierigkeiten und es ging nur schleppend voran. Erst um 12:00 Uhr trafen wir uns am Eingang des Hotels und da hiess es, die öffentlichen Verkehrsmittel werden bevorzugt, um an die Japan Expo zu kommen. Da konnte ich plötzlich viele Blicke feststellen, die mich fixierten …

Also ging es auf zur nächsten Metro-Station “Porte Maillot” und da war ein schnelles Ende vorherzusehen. Die Warteschlangen zu den Ticket-Automaten waren extrem und auch mit Ticket durfte gewartet werden. Da hiess es hinter mir sofort: “OK. We call a taxi at the hotel.” So weit so gut und machten uns auf den Weg zurück. Während dem Gehen, öffnete ich meine Tasche und bemerkte plötzlich, dass mein Portemonnaie verschwunden war. Ich bat Rodo kurz anzuhalten, durchsuchte meine ganze Tasche, aber erfolglos. Die darauffolgenden 3 Stunden  erläutere ich nicht weiter … es war einfach nur eine unangenehme Situation!

Rodorin und ich bestellten uns ein Taxi und fuhren direkt zur Japan Expo. Die anderen waren bereits vorgefahren und vergnügten sich inzwischen in den VIP-Räumlichkeiten.

Angekommen an der Taxi-Haltestelle, eilten wir zum nächsten Information point und erkundigten uns, wo hier die Verkaufsstellen sind. Der Staff sah sofort Rodorins VIP-Pass und verwies uns zu Eingang Nr. 3 – Aber das war doch VIP? Da war auch bereits einer der Japaner am Schalter. Ich konnte dann gleich erzählen, dass ich nun komplett anonym unterwegs bin und leider keine amtlichen Ausweise besitze. Der nette Japaner sagte daraufhin: “Madame, please check the VIP names again. There is a name twice because I made a mistake. It should be Reto Huerlimann.” Erst dann fiel mir wieder ein, dass ich eingeladen wurde … aber warum steht da zusätzlich: “Traducteur”?! Ich bin doch kein Übersetzer … aber anscheinend gab es keine passendere Beschreibung für meine Position in “seiner” Firma. Das war echt verwirrend, aber doch geil zugleich!

Nachdem dies erledigt war, trafen wir uns alle im VIP-Room und machten uns bereit die Japan Expo zu erkunden …

Ich wurde aber gleich nochmals darauf hingewiesen, dass private Treffen während der Japan Expo absolut tabu seien und ich müsse mich einfach an ihre Pläne halten. “わかりました!”

Die grosse Fortsetzung [2/3] folgt morgen …